Wie prüfe ich meine KI-Sichtbarkeit selbst?
In etwa einer Stunde, ohne Budget: Crawler-Zugang testen, Rendering prüfen, zehn Kauf-Fragen in vier Systemen stellen und die Nennungen notieren. Das ist die Basis-Messung, die jede Agentur als Erstes macht — inklusive uns.
Für Marketing-Verantwortliche, die wissen wollen, wo sie stehen, bevor sie Budget freigeben.
Stand: · Felix Ament, Gründer, getSichtbar GmbH
- 0 €
- Kosten für die Basis-Prüfung
- Quelle: robots.txt, Rendering, Prompt-Test — Eigenleistung
- ~1 Std.
- Aufwand für den ersten Durchlauf
- Quelle: getSichtbar Projektpraxis, 2026
- 4
- Systeme mit eigener Zitierlogik
- Quelle: ChatGPT, Perplexity, Claude, Google AI
- 8–12
- Teilfragen je Anfrage (Query Fan-Out)
- Quelle: Google AI Mode, 2026
Dürfen KI-Crawler deine Seite überhaupt lesen?
Das ist der erste und häufigste Blocker. Rufe deine robots.txt auf (deinedomain.de/robots.txt) und prüfe, ob die Retrieval-Bots erlaubt sind. Wichtig ist die Unterscheidung: Training-Bots und Retrieval-Bots sind verschiedene Dinge. GPTBot und ClaudeBot sammeln Trainingsdaten — die zu blocken ist eine legitime Entscheidung und kostet keine Sichtbarkeit. OAI-SearchBot, Claude-SearchBot, Claude-User und PerplexityBot holen die Inhalte für Antworten. Wer diese aussperrt, ist unsichtbar, egal wie gut der Rest ist.
Vergiss Bing nicht. Microsoft Copilot und Teile der ChatGPT-Suche greifen auf den Bing-Index zu, deshalb muss auch Bingbot erlaubt und die Seite in den Bing Webmaster Tools angemeldet sein. Das ist ein Fünf-Minuten-Schritt, der in vielen Setups schlicht vergessen wurde.
- 1.robots.txt öffnen und auf Disallow-Einträge für die Retrieval-Bots prüfen
- 2.Sicherstellen, dass Bingbot erlaubt ist und die Site in den Bing Webmaster Tools liegt
- 3.Bei Unsicherheit: keine Bot-Regeln raten, sondern die offizielle Doku des jeweiligen Anbieters lesen
Steht dein Inhalt im HTML — oder erst nach JavaScript?
Viele KI-Systeme lesen die erste HTML-Antwort und führen kein JavaScript aus. Wenn Überschrift, Kernaussage, Preise oder Produktdaten erst nachgeladen werden, sieht die Engine eine leere Seite. Der Test dauert eine Minute: JavaScript im Browser deaktivieren und deine wichtigsten fünf Seiten aufrufen. Was du dann nicht siehst, existiert für viele Systeme nicht.
Alternativ funktioniert der Blick in den Quelltext: Rechtsklick, Seitenquelltext anzeigen, nach einem Satz aus deinem Haupttext suchen. Findest du ihn nicht, wird er clientseitig gerendert.
- 1.JavaScript deaktivieren und die fünf wichtigsten Seiten aufrufen
- 2.Prüfen, ob H1, Kernaussage, Preise und Kontaktweg sichtbar sind
- 3.Im Zweifel im Seitenquelltext nach einem Satz aus dem Fließtext suchen
Wie baust du eine belastbare Prompt-Liste?
Nimm zehn Fragen, die deine Käufer wirklich stellen — nicht deine Keywords. Gute Muster sind: „Welche Anbieter für X gibt es in [Region]?“, „Was kostet X?“, „X oder Y — was ist besser für [Situation]?“, „Worauf muss ich bei X achten?“. Formuliere sie so, wie jemand sie einem Menschen stellen würde, mit Kontext und Nebensatz.
Der Grund für diese Form: Google AI Mode zerlegt eine Anfrage in acht bis zwölf Teilfragen und beantwortet sie einzeln. Wer nur das Haupt-Keyword prüft, misst einen Bruchteil dessen, was tatsächlich abgefragt wird.
- 1.Zehn echte Kauf-Fragen aufschreiben, in ganzen Sätzen
- 2.Je Frage notieren, welche Antwort für dich ein Erfolg wäre
- 3.Die Liste einfrieren — nur mit identischen Fragen sind Messungen vergleichbar
Wie misst und dokumentierst du die Antworten?
Stelle jede Frage in ChatGPT, Perplexity, Claude und Google AI. Notiere je Antwort drei Dinge: Wirst du genannt? An welcher Stelle? Welche Quellen werden zitiert? Die dritte Spalte ist die wichtigste und wird fast immer vergessen — sie zeigt dir, welche Domains deine Kategorie prägen, und damit, wo du präsent sein müsstest.
Wiederhole das monatlich mit denselben Fragen. KI-Antworten schwanken je Anfrage und Modellversion; eine Einzelmessung ist wertlos. Wie stark das sein kann, zeigt der Wechsel auf Gemini 3 im Januar 2026: Laut Ahrefs wechselten dabei 42% der in AI Overviews zitierten Domains.
Kostenlos ergänzen lässt sich das durch zwei Quellen: Der AI-Performance-Bericht in den Bing Webmaster Tools zeigt deinen Citation-Anteil, und in GA4 kannst du Zugriffe von chatgpt.com, perplexity.ai und claude.ai als eigene Quelle auswerten. Beachte dabei, dass Desktop-Apps oft keinen Referrer senden und als Direktzugriff erscheinen.
- 1.Tabelle anlegen: Frage, System, genannt ja/nein, Position, zitierte Quellen
- 2.Monatlich wiederholen, immer mit denselben Fragen
- 3.Bing Webmaster AI-Performance und GA4-Referrals als zweite Datenquelle nutzen
Wie hältst du die Messung ehrlich?
Drei Regeln reichen. Erstens: dieselben Fragen, immer. Sobald du die Liste änderst, vergleichst du zwei verschiedene Messungen und hältst den Unterschied für eine Entwicklung. Zweitens: dieselben Systeme, in derselben Reihenfolge, ohne vorherigen Gesprächsverlauf — bestehender Kontext beeinflusst die Antwort.
Drittens, und am wichtigsten: Miss auch Seiten, die du nicht anfasst. Ohne diese Vergleichsgruppe sieht jede Verbesserung nach Erfolg aus, auch wenn der ganze Markt sich bewegt hat. Das ist kein Laborversuch, aber es ist der Unterschied zwischen einer Zahl und einer Erkenntnis.
Notiere außerdem, wann du etwas veröffentlicht hast. Ohne Zeitstempel lässt sich später nicht mehr zuordnen, welche Änderung zu welcher Veränderung gehört — und genau diese Zuordnung ist der einzige Grund, überhaupt zu messen.
Was machst du mit dem Ergebnis?
Sortiere die Lücken nach Art. Wirst du gar nicht genannt, fehlt meist Substanz oder externe Präsenz. Wirst du genannt, aber falsch beschrieben, ist es ein Entitäts-Problem: Website, Schema, Google-Profil und Verzeichnisse sagen Unterschiedliches. Wird ein Wettbewerber über eine Quelle zitiert, auf der du fehlst, hast du ein konkretes Ziel für Presse- oder Verzeichnisarbeit.
Fang danach mit der Seite an, die den größten Umsatzanteil trägt — nicht mit der, die am schnellsten fertig ist. Und miss weiter, auch an Seiten, die du nicht anfasst: Nur im Vergleich zu unbehandelten Seiten lässt sich später sagen, ob deine Arbeit gewirkt hat oder der Markt sich bewegt hat.
Was kannst du dir sparen?
- Eine llms.txt anlegen und auf Wirkung hoffen: Eine Auswertung über 300.000 Domains (SE Ranking) fand keinen messbaren Effekt auf Citations. Als Hygiene in Ordnung, als Maßnahme keine Priorität.
- Schema-Markup ohne inhaltliche Substanz. Markup beschreibt, was auf der Seite steht — es ersetzt es nicht.
- Ein Sprachmodell nach Suchvolumen oder Statistiken fragen. Diese Zahlen sind erfunden, auch wenn sie plausibel klingen.
- Eine Einzelmessung als Ergebnis behandeln. Ohne Wiederholung misst du Rauschen.
Was wird dazu am häufigsten gefragt?
Wie viele Fragen sollte ich prüfen?
Zehn reichen für den Einstieg, wenn sie echte Kaufentscheidungen abbilden. Wichtiger als die Menge ist, dass die Liste über Monate identisch bleibt — sonst vergleichst du verschiedene Messungen miteinander.
Reicht es, nur ChatGPT zu prüfen?
Nein. Die Systeme zitieren unterschiedliche Quellen und reagieren unterschiedlich schnell. Perplexity sucht bei jeder Anfrage live, Claude bevorzugt Fachportale, Google AI Mode hat nur rund 12% Überschneidung mit den klassischen Top-10-Ergebnissen. Ein System allein führt zu falschen Schlüssen.
Was, wenn ich nirgends genannt werde?
Das ist der Normalfall am Anfang und kein Grund zur Panik. Prüfe zuerst die technische Basis — Crawler-Zugang und Rendering. Sind die in Ordnung, fehlt Substanz: Seiten, die die Fragen tatsächlich beantworten, und Erwähnungen auf Quellen, die deine Kategorie prägen.
Wie schnell zeigen sich Veränderungen?
Perplexity reagiert am schnellsten, oft innerhalb von Tagen, weil es live sucht. ChatGPT und Google hängen am Crawl-Rhythmus; realistisch sind vier bis acht Wochen. Belastbare Aussagen brauchen mehrere Messpunkte.
Brauche ich dafür ein Tool?
Für zehn Fragen und eine Handvoll Seiten nicht. Ein Tool lohnt sich, wenn du viele Fragen, mehrere Märkte oder mehrere Marken laufend beobachten willst — dann wird Handarbeit unzuverlässig.
Wobei können wir helfen?
Lieber machen lassen?
Wir setzen genau das um — und sagen im Erstgespräch ehrlich, wenn du es selbst günstiger hinbekommst.